Natürlich schön! #nofilter

28. Oktober 2016

Selfie machen: Klick. Filter drüber: Swipe. Online stellen: Like. Nie war es einfacher, besser auszusehen als heute – zumindest digital. Aber wer bestimmt eigentlich, was „gut aussieht“?

Beautyfilter

Digitale Dates

Am Tisch neben euch schiebt die Dame seit fünf Minuten ihre Suppe hin und her und hält mit dem Smartphone drauf. Ein lautes „Klick“. Sie steckt den Löffel rein und rückt die hausgemachte Limo näher an den Teller. Wieder die Kamera drauf und „klick“. Während du schon dreimal die Augen verdreht hast, grinst dich deine beste Freundin an.

„Bleib mal locker. Ist halt lecker hier und sieht super aus. Hashtag Foodporn muss da schon sein.“

Während du in deinem Gemüse Burger beißt, hält sie dir ihr Smartphone vors Gesicht. Auf dem Bildschirm ist die bekannte Links-und-Rechts-Wegwischen-Dating-App geöffnet. Darin zu sehen, ist das Profil von einem Typen, der eine Hantel in Siegerpose nach oben hält – oberkörperfrei, alles in Schwarzweiß.

„Na, wenn der dann auch in Schwarzweiß zum Date kommt, ist ja alles ok.“

Als du das Handy deiner Freundin nimmst und ihr eigenes Profil in der App öffnest, staunst du nicht schlecht. Das Gesicht wirkt schmaler, die Augen wirken ungewohnt groß aber das Schlimmste: ihre Sommersprossen fehlen! „Das bist doch nicht du!“

„Man wird ja wohl noch etwas nachhelfen dürfen … Mit meinem neuen Handy kann man  „schlankes Gesicht“ oder „große Augen“ mit einem Klick erledigen. Ist das nicht toll?“

„Na aber, du bist doch hübsch. Schwarzweißfilter ist ja das eine, aber du betreibst komplette Augenwischerei. Ich meine, deine Sommersprossen sind so süß. Das ist doch irgendwie auch deinem Date nicht ganz fair gegenüber, oder?“

 

Tinder

Wahre Schönheit …

... liegt im Auge des Betrachters. Das stimmt zwar, aber deswegen schauen dich doch überwiegend junge, schlanke Frauen von Werbeplakaten an. In unserer Welt immer noch das Standard-Schönheitsideal. Und Websites wie hothot.io, auf der ein Algorithmus entscheidet wie „heiß“ jemand ist, machen den Wahnsinn nicht besser. Gipfel dessen war sicherlich der Wettbewerb „Beauty.AI 2.0“. In großem Stile wurden Selfies aus aller Welt eingeschickt und von einer Software analysiert. Der Gedanke: Eine menschliche Jury ist subjektiv, Algorithmen lügen nicht. Das Problem ist nicht die Idee, sondern, dass auch diese Software mit Basisdaten gefüttert werden muss. Damit werden wieder vermeintliche Ideale definiert. Dass sich in der Siegergalerie des Wettbewerbs kaum nichtweiße Gesichter zu finden sind, hinterlässt einen faden Beigeschmack. Ist es nicht gerade die Vielfalt der Natur, die uns Menschen schön und besonders macht?

Im Café ist eure Diskussion gerade ins Rollen gekommen. Mit dem Video zur neuen Kampagne eines großen Bekleidungsherstellers, willst du ihr zeigen, was Schönheit eigentlich bedeutet.

 

Filterlos glücklich

„Und jetzt soll ich keinen Filter mehr nutzen, oder wie?“

Filter sind ja nicht nichts Schlechtes! Aber es geht eben auch ohne. Auf Instagram finden sich beispielsweise unter dem Hashtag #nofilterselfie so viele Menschen, die einfach nur den Auslöser gedrückt haben. Und Effektfilter, Vignetten und Co. können ja auch mal schön sein. Aber, wenn es darum geht deine Proportionen digital zu verändern, ist es sinnvoll zu überlegen, ob das wirklich nötig ist. Doppelkinn, hohe Stirn, große Ohren, markante Nase? Das alles stört niemanden, wenn du einfach du bist.

Während die Dame am Nebentisch beginnt den Käsekuchen ins rechte Licht zu rücken, machst du spontan ein Bild deiner Freundin. Mal ganz ohne Filter und mit Sommersprossen. Und irgendwie sieht das dann doch hübscher aus. Findet sie auch.